Auf gute Partnerschaft: Mayk Taherian ist mit der MTB GmbH aus Nordstemmen neuer Hauptsponsor von Hannover United. United-Präsident Joachim Rösler überreicht Taherian ein von der Mannschaft unterschriebenes Trikot. Foto: Lobback
Mayk Taherian (53) ist Geschäftsführer der MTB GmbH aus Nordstemmen im Landkreis Hildesheim und seit Saisonbeginn neuer Hauptsponsor von Hannover United. Er sagt: „Ich habe mein Herz an den Basketball verloren.“ Er spielte als Profi mit Eintracht Hildesheim in der 2. Bundesliga. Heute ist Taherian unter anderem Präsident des Niedersächsischen Basketballverbandes (NBV) und mit seinem Familienunternehmen Hauptsponsor der MTB Baskets Hannover in der 1. Basketball-Regionalliga.
Sie sind Unternehmer mit einem großen Basketball-Herzen: Erklären Sie bitte Basketball in drei Stichworten
Ästhetik. Schnelligkeit. Internationalität – in einem Satz: der geilste Sport der Welt. Egal, wo man sich auf der Welt befindet, ob man die jeweilige Sprache spricht oder nicht: Sobald einer die rote Pille unter dem Arm hat, findet man sofort Gleichgesinnte. Das dauert keine zehn Minuten. Das ist eine Erfahrung, die ich über die Jahre gemacht habe. Man muss nicht die gleiche Sprache sprechen, der Basketball ist die Kommunikation. Das macht den Sport aus.
Was verbindet Sie mit dem Sport?
Seit 47 Jahren hängt mein Herz an diesem roten Ball. Mit 6 Jahren habe ich angefangen zu spielen. Mit 14 Jahren habe ich mich parallel als Schiedsrichterwart bei Eintracht Hildesheim engagiert. Später habe ich alle Stationen innerhalb der Abteilung ehrenamtlich durchlebt. Inzwischen bin ich seit etwas mehr als zwei Jahren Präsident des Niedersächsischen Basketballverbandes.
Was hat Sie als Hauptsponsor der MTB Baskets bewogen, als Hauptsponsor bei Hannover United einzusteigen?
Als Udo Schulz und Joachim Rösler mich angesprochen haben, habe ich sofort zugesagt. Wenn man sieht, wie die Mannschaft im letzten Jahr gespielt hat und wie sie für diese Saison zusammengestellt wurde, sind die Playoffs wieder möglich. Hier mal einen Ball mehr treffen, einen Steal mehr – und schon steht man im Halbfinale. Da gehört Hannover United hin und das wünsche ich mir für den Verein für die tolle Arbeit, die hier geleistet wird.
Sehen Sie Unterschiede zwischen Fußgänger- und Rollstuhlbasketball?
Nein, das ist eins: Es ist und bleibt Basketball. Für mich ist Rollstuhlbasketball auch kein Behindertensport im ursprünglichen Sinn. Es ist Leistungssport – nur eine andere Disziplin. Deswegen wollen wir auch sehen, dass wir Hannover United unter das Dach des Niedersächsischen Basketballverbandes bekommen.
Wie verstehen Sie Ihr Sponsoring?
Es ist keine Kunst, viel Geld in die Hand zu nehmen, teure Spieler zu kaufen und Deutscher Meister zu werden – das ist eine Frage des Budgets. Aber was kommt danach? Man braucht Nachhaltigkeit. Mit Nachhaltigkeit schaffe ich Tiefe. Die Breite erreiche ich, wenn ich eine gute Spitze habe. Außerdem wollen wir Synergien schaffen, um den Basketballstandort Hannover zu einem wichtigen Standort in Deutschland zu machen – mein „Masterplan Basketball“.
Wie sieht dieser Masterplan aus?
Das Ziel muss sein, 2030 mit einer Männermannschaft in der Basketball-Bundesliga zu spielen. Das wird aber kein Verein in Hannover in seinen eigenen Strukturen schaffen, das kann nur ein Gemeinschaftsprojekt sein. Es ist der nächste logische Schritt, dass Hannover United und die MTB Baskets in den nächsten Jahren immer mehr gemeinsam machen. Ich als Hauptsponsor beider Vereine versuchen die Strukturen, die wir inzwischen bei den Baskets und auch im NBV haben, für United aufzubauen. Da muss man natürlich Geduld haben.Ich bin felsenfest davon überzeugt, das wir in den nächsten zwei, drei, vier Jahren in Hannover nachhaltig guten, tollen Basketball in der Gesamtheit haben werden.
Wieviel Jugendarbeit steckt in Ihrem Masterplan?
Jugendarbeit gehört unbedingt dazu. Ich finde, dass Hannovers Basketballvereine schon tolle Arbeit leisten – der TK Hannover ist das beste Beispiel Aber Vereine haben auch da nur begrenzte Möglichkeiten und die sind schnell aufgebraucht. Darum ist es wichtig, dass möglichst viele Vereine zusammenarbeiten, wodurch sich automatisch Synergien ergeben , die Ressourcen freisetzen. Das kann dann in die Kinder und Jugendlichen reinvestiert werden. Die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen hat ja auch eine gesellschaftspolitische Relevanz: Wenn ich mit einer Mannschaft in der Bundesliga spielen möchte, trägt der Klub gesellschaftspolitische Verantwortung – auch für den Nachwuchs. Und dann sind Politik und Verwaltung gefragt, das beispielsweise mit Hallenzeiten zu unterstützen. Der NBV ist übrigens neben dem Fußballverband der einzige in Niedersachsen, der an Grundschulen Sport unterrichten darf. Das war ein langer Weg mit unendlich vielen Gesprächen mit dem Innen- und Kultusministerium sowie dem Landessportbund und dem Olympischen Sportbund. Aber wir haben die Zulassung bekommen.
Seit Sie ins Präsidium des NBV aufgestiegen sind, hat sich einiges im Verband getan. Was sind Ihre Ziele?
Die erste Maßnahme war, die Innensicht zu verändern. Der NBV ist ein Großkonzern, non-profit zwar, aber ein Großkonzern, mit 20.000 Mitarbeitenden – den Basketballerinnen und Basketballern in Niedersachsen. Entsprechend muss dieses Unternehmen strukturiert sein und Ressourcen bekommen, um zu funktionieren. Wir haben Punkt um Punkt, Idee um Idee daran gearbeitet. Inzwischen ist es so, dass wir einen eigenen hauptamtlichen Geschäftsführer und Ressortleiter mit eigenen Ressourcen haben. Das Projekt ist jung, es funktioniert aber deutlich besser als in der Vergangenheit.
Hat das Ehrenamt dann ausgedient?
Auf keinen Fall, Sport und Ehrenamt müssen sich aber umstellen. Wenn ich nur noch verwalte, wie es viele Verbände und Vereine tun, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben, sind die bald frustriert: Mitgliederzahlen schwinden. Es gibt immer mehr zu tun für immer weniger Menschen, die sich engagieren. Es werden mehr Fehler gemacht. Das führt letztendlich dazu, dass die Menschen nicht mehr dazu bereit sind, im Ehrenamt tätig zu sein – der Sport stirbt. Wenn man die Aufgaben allerdings strukturiert und damit Erfolg hat, wie wir beim NBV, dann führt das zu Zufriedenheit bei den Ehrenamtlichen. Zufriedenheit führt dazu, dass sich mehr Menschen finden, die ihre Freizeit investieren.
Was bedeutet das Ehrenamt für Sie?
Ohne das Ehrenamt würde unser System – und ich meine nicht nur Vereine und Sport, sondern soziale Arbeit, Feuerwehren, Rettungsdienst und so weiter – und der Wohlstand in Deutschland zusammenbrechen. Ich bin der Überzeugung, dass jeder Menschen in Deutschland täglich von den Ergebnissen profitiert, die nur durch das Ehrenamt zustande kommen. Jeder von uns ist Nutznießer. Und jeder, so ist meine Meinung, steht in der Pflicht, nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben – sonst geht die Rechnung irgendwann nicht mehr auf. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich nicht nur Geld in Sport und soziale Projekte investieren kann, sondern auch meine Zeit und mein Knowhow.
Erzählen Sie mehr über Ihr Knowhow und den Schwerpunkt Ihres Unternehmens.
Ich bin Bauingenieur und seit beinahe 30 Jahren im Bereich Verkehr und Tiefbau unterwegs. Wir sind mit der MTB GmbH auf Infrastruktur bei der Deutschen Bahn spezialisiert und treten als Generalunternehmen für die DB auf. Wir sind einer der Marktführer, gehören deutschlandweit zu den erfolgreichsten drei Unternehmen in dieser Sparte. Die Firma ist ein echtes Familienunternehmen. Meine beiden Söhne absolvieren bei mir ihre Ausbildungen im kaufmännischen und technischen Bereich und meine Frau arbeitet ebenfalls hier.
Haben Sie einen Traum?
Eine eigene Basketball- oder Ballsporthalle. Aber das ist ein Traum, der wahrscheinlich nie in Erfüllung gehen wird. Idealer Weise steht die Halle im Zentrum der Stadt und ist infrastrukturell gut angebunden. Wir können in dieser Frage viel von anderen Ländern lernen. Der Mensch möchte unterhalten werden. In Amerika beispielsweise zelebrieren die Fans das Sportevent. Die sind sechs, sieben Stunden im Stadion oder in der Halle und feiern. Die Party steht im Vordergrund. Das fehlt uns in Europa, speziell in Deutschland. In Hannover liegt die Tui-Arena zu weit draußen und ist viel zu groß, die Swiss-Life-Hall ist nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen eine Ballsporthalle, die als Eventzentum vermarktet wird und in der Sportarten wie Handball, Volleyball, Fußgänger- und Rollstuhlbasketball auf höchstem Niveau gespielt werden. Es gibt gute Ideen, da sind jetzt Politik, Verwaltung und irgendwann auch Investoren gefragt.
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