RBBL1 Playoff-Auftakt: „Wenn wir mit einem Sieg vor unserem Publikum starten, ist alles möglich“

Geschrieben von Philipp Schaper
Großer Erfolg: Hannover United hat eine überragende Saison gespielt. Das Team schloss die Hauptrunde als Fünfter ab. Nun warten die Meisterschafts-Play-offs.

Hannover United ist erstmals in der Klubgeschichte in die Meisterrunde der 1. Rollstuhlbasketball-Bundesliga (RBBL1) eingezogen. Im ersten Playoff-Viertelfinale trifft das Team beim Heimspiel am 16. März auf die Doneck Dolphins Trier. Tip-off ist um 18 Uhr in der United-Arena in der IGS Stöcken. Hier spricht United-Spielertrainer Martin Kluck über die Chancen, den Gegner Trier, die Gründe des Erfolgs und eine überraschende Stärke des Teams.

Einst Fahrstuhlmannschaft, letztes Jahr erstmals der Klassenerhalt, jetzt die Play-off-Qualifikation – wie fühlt sich das an?
Sehr gut. Wir haben uns vor der Saison vorgenommen, die Playoffs zu erreichen. Dass wir das schon zwei Spieltage vor Ende der Hauptrunde geschafft haben, fühlt sich sehr, sehr gut an. Und wir haben nicht nur die Playoffs erreicht, sondern sicher Platz fünf. Jetzt gilt es, sich darauf vorzubereiten, was in der Meisterrunde auf uns wartet.

Ziel von Hannover United ist das Halbfinale. Dafür muss die Mannschaft zweimal die Doneck Dolphins Trier schlagen, gegen die man während dieser Spielzeit dreimal verlor. Wie soll das gelingen?
Trier ist aufgrund der Ergebnisse klar in der Favoritenrolle. Wir haben in den bisherigen Spielen allerdings phasenweise gezeigt, dass wir Trier große Probleme bereiten und sie an den Rand einer Niederlage bringen können. Trier bringt ohne Frage sehr viel Qualität mit. Sie haben gefährliche Außenschützen und wissen mit Dirk Passiwan den Topscorer der Liga in ihren Reihen. Wir versuchen jetzt, das richtige Konzept und die taktische Einstellung zu finden, dass uns das Kunststück aus dem Pokalhalbfinale im letzten Jahr, als wir Trier geschlagen haben, noch einmal gelingen kann. Und wenn wir die Serie mit einem Sieg vor unserem Publikum starten, ist alles möglich.

Gab es einen „Aha“-Moment in der Saison bei dem Sie dachten: Jetzt könnte es wirklich klappen?
Wir haben zum Saisonstart mit einem ordentlichen Spiel in Lahn-Dill und einem relativ souveränen Sieg zu Hause gegen Wiesbaden eine gute Grundlage für die Spielzeit geschaffen. Das hat Selbstbewusstsein gegeben, wir haben daran geglaubt, viele Mannschaften in der Liga ärgern zu können. Der „Aha“-Moment kam, als wir in kurzer Folge mit Zwickau und München direkte Konkurrenten geschlagen haben. Da haben wir uns in die beste Ausgangslage gebracht, um frühzeitig Klarheit zu schaffen.

Dann gab es einen Stotterstart ins neue Jahr: Trotz einer sehr guten Leistung in Thüringen verloren, zu Hause gegen Trier verloren, in München gegen einen Konkurrenten den direkten Vergleich verloren. Kamen da Zweifel?
Nein, uns war bereits vor Weihnachten klar, dass wir Anfang des Jahres einige große Brocken vor uns haben. On Top kam dazu noch, dass ich persönlich zwei, drei Wochen auf Grund der Geburt meiner Tochter nicht mit hundert Prozent dabei sein konnte und einige Trainingseinheiten verpasst habe. In München haben wir nicht gut gespielt und auch gegen Trier nicht über 40 Minuten das abgeliefert, was wir wollten. Aber Zweifel gab es nicht.

Hannover United hat hinter den Top-Teams aus Elxleben und Lahn-Dill die drittbeste Defense der Liga. War das zu erwarten?
Wenn man mich vor der Saison danach gefragt hätte, hätte ich das nicht erwartet. Wir saßen vor der Saison im Trainingslager zusammen und haben überlegt , welches unsere Stärken und Schwächen sind und versucht, uns gegenseitig stark zu machen. Da war die einhellige Meinung, dass unsere Defensive der Fokus sein muss, weil wir da die größten Herausforderungen haben. Wir sind davon ausgegangen, dass die Offensive schon irgendwie funktionieren wird, weil wir wussten, dass wir viele Möglichkeiten haben. Über die Defensive waren wir uns nicht so richtig schlüssig. Und deswegen ist es umso schöner und überraschender, dass wir da so gut abgeliefert haben. 

Sie haben vor der Saison auf einen großen Kader gesetzt. Das hat sich ausgezahlt. 
Allein die Tatsache, dass wir zehn Spieler im Training haben und mit einem festen Stamm fünf gegen fünf spielen können, ist ein riesiger Vorteil gegenüber anderen Teams. Davon profitieren wir sehr. Je länger ich als Verantwortlicher der ersten Mannschaft die Saison plane, desto mehr merke ich, dass neuer Input, neue Leute zu einem bestehenden Kern das Gesamtkonstrukt voranbringen. Neue Ideen, mehr Konkurrenzkampf, neue Herausforderungen. Das ist sehr positiv.

Hannover United war als Fahrstuhlmannschaft verschrien, der Klub hat aber an seiner Philosophie festgehalten. Ist auch das Teil des Erfolgs?
Sicherlich. Wir hatte immer mal wieder Zweifel, ob wir auf dem richtigen Weg sind und langfristig erfolgreich sein können. Das kommt, wenn die Mannschaft jedesmal direkt absteigt. Nach und nach hat sich gezeigt, dass es gut war, nicht alles über den Haufen zu werfen. Wir waren und sind fest davon überzeugt, dass dieser Weg – vor allem auf eigene Kräfte und eigene Ausbildung zu setzen – für Hannover United der richtige ist. Das wird endlich belohnt.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?
Jetzt müssen wir uns erstmal im Viertelfinale beweisen und sehen, ob es schon für das Halbfinale reichen kann. Im Sommer müssen wir dann unsere Aufgaben wie gewohnt erledigen, um wieder einen guten Kader an den Start zu bringen. Wir wollen an den Erfolgen der letzten beiden Jahre anknüpfen. Hannover United ist sicherlich noch nicht in der Verfolgerrolle der Top-Teams im eigentlichen Sinne. Aber wir wollen versuchen, eine weitere Mannschaft hinter uns zu lassen, um dann vielleicht auch mit einem Heimvorteil in die Play-offs zu starten. Das ist sicherlich ein Anspruch, den wir ihn den nächsten Jahren haben werden.

Fotos: Maike Lobback

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